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Welttag des Buches 2010

April 23, 2010

Voici la version française

Wir wollen eigentlich nicht zum “heute-ist-soundso-Welttag”-Blog verkommen, aber das Thema ist einfach spannend.

Die UNESCO hat nämlich den 23. April, Todestag von Shakespeare und Cervantes, zum Welttag des Buches und des Urheberrechts erklärt. Unterstützt wird der Welttag freundlicherweise durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der uns mit dem tollen Spiel CatProtect erfreut und die Ambition hat, auch schon die Jüngsten mit realitätsfernen Urheberrechtskonzepten vertraut zu machen. Nein, Entschuldigung:

Das Spiel rund um die Themen Ideenklau und Raubkopien vermittelt 8-12-Jährigen auf unterhaltsame und interaktive Weise, wie wichtig der Schutz des geistigen Eigentums ist.

CatProtect

Der Vorsteher des Börsenvereins, Gottfried Honnefelder, erklärte sogar auf der letzten Leipziger Buchmesse

Wir kämpfen wie die Löwen gegen Raubzüge im Internet und das illegale Herunterladen von Daten. Wir brauchen entsprechende Mittel zur Verteidigung.

Der Buchhandel und die Verlage scheinen aus den Erfahrungen der Musikindustrie die falschen Konsequenzen zu ziehen. Auch die Musikindustrie stellte sich vor, über den digitalen Markt herrschen zu können und wurde von einer freien Tausch- und Remixkultur entthront.

Tatsache ist, dass das derzeitige Urheberrecht fern aller Alltagsrealität der digitalen Ära ist. Zu diesem Thema veröffentlichte die Heinrich-Böll-Stiftung zusammen mit irights.info am 13. April den Reader «Copy.Right.Now! Plädoyers für ein zukunftstaugliches Urheberrecht».

Diese unter Creative-Commons Lizenz veröffentlichte Textsammlung beinhaltet u.a. ein Interview mit Cory Doctorow: «Kopieren zu verteufeln ist Heuchelei». Der Science-Fiction-Autor veröffentlicht auf craphound seine Werke, stellt sie kostenfrei zur Verfügung und macht damit beispielsweise Fan-Übersetzungen in Sprachen möglich, die sich vielleicht für einen Verlag nicht gelohnt hätten. Trotzdem verkauft er nebenbei seine Werke in gedruckter Form und als E-Book:

Der universale Zugang zum gesamten Wissen der Menschheit ist die Erfüllung eines unserer grössten Träume. Sich über so etwas zu beklagen, ist meiner Ansicht nach moralisch nicht vertretbar. Es gibt noch einen Grund, das Kopieren zu befürworten und einen maximalen Copyright-Schutz zu bekämpfen: die Auswirkungen auf unsere Zivilgesellschaft. Durch Kopierverbote kriminalisiert man die Mehrzahl der Internetnutzer; denn wir alle kopieren doch ständig irgendwelche Sachen.

Kunst ist eine in ökonomischer Hinsicht irrationale Aktivität. (…) Und im Internet können sich Menschen besser als in jedem anderen System Gehör verschaffen.

Bei den meisten Leuten, die heute keines meiner Bücher gekauft haben, liegt das daran, dass sie noch nie von mir gehört haben, und nicht daran, dass ihnen irgendjemand eine kostenlose Kopie davon in die Hand gedrückt hat.

Nachdruch des Interviewausschnittes im Reader Copy.Right.Now! Erstmalig erschienen im Harvard Business Manager 10/2009.
—————

Es wird in jedem Fall spannend sein zu sehen, wie es nun mit der Digitalisierung des Buchmarktes weitergeht. Eine Explosion scheint es noch nicht zu geben -nur 2,9 Millionen Deutsche planen, sich dieses Jahr ein E-Book zu kaufen.

Wir denken jedenfalls, dass Bücher erst einmal nicht aussterben werden. Weitere literarischen Erzeugnisse werden sich aber vermutlich an die technischen Geräte anpassen, wie es bereits in Japan (siehe keitai shosetsu, wie z.B. Purple) der Fall  ist. Vielleicht wird es auch so kommen, wie Markus es schon andernorts angedacht hat:

Vielleicht wird diese Technologie [E-Book-Reader] ja bald von Smartphones überholt. Diese verfügen auch über einen Browser und den passenden Rückkanal: So könnte die Zukunft des Buches viel vernetzter sein… Wenn ich Special-Interest-Bücher lese, interessiert mich doch, wer das gleiche Buch noch liest. Und ich hätte gerne Kontakt zu diesen Menschen. Selbst bei Beststellern kann es interessant sein, direkt im Lesefluss mit anderen Menschen darüber zu kommunizieren.

Vielleicht werden sich starre Strukturen zwischen Lesern, bzw. Nutzern und Autoren lockern und alle bekommen ihre Erdbeertörtchen.

Update 28.04.2010:

Zu den Lobbymethoden des Börsenvereins des deutschen Buchhandels wurde übrigens heute was bei Netzpolitik gebloggt. In einer Pressekonferenz am Montag soll sich der Lobbyist des Vereins gemeinsam mit anderen Vertretern der Unterhaltungs- und Kulturindustrie sowie der Gewerkschaft ver.di für ein “Warnmodell”, einem sogenannten Two-Strikes-Modell, eingesetzt haben. Es heißt, dass hierfür verdachtsunabhängige Vorratsdaten oder Techniken zur Durchleuchtung des Netzverkehrs angeblich nicht verwendet werden. Naja, alles Weitere könnt ihr ja hier nachlesen.

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