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Das Internet ist ein Paradies für Monopole

November 15, 2010

So lautet zumindest die These von Tim Wu, Professor an der Columbia Law School in New York. Er sprach auf der letzten re:publica über Netzneutralität und veröffentlichte vor kurzem das Buch The Master Switch – The Rise and Fall of Information Empires. Nun erschien ein Gastbeitrag von ihm im Wall Street Journal. Bei BoingBoing sagt Wu, dass ihm der Artikel sehr wichtig und eigentlich das letzte Kapitel seines Buchs sei.

Der Autor fragt hier, wie schwer es wohl wäre, eine Woche ohne Google auszukommen – oder sogar ohne Amazon, Skype, Twitter, Apple, eBay und Google gleichzeitig. Das Internet geht dadurch zwar nicht kaputt, aber ziemlich nervig wäre es schon. Tendiert die freie Marktwirtschaft im Netz also zu Monopolen?

Das Internet galt lange als Vorbild für die freie Marktwirtschaft, wie sie im Idealfall aussehen sollte:

kevingoez_cc_by-nc-sa

Flickr/kevingoez/cc by-nc-sa

Wettbewerb in reinster Form. Warum also sieht es zunehmend wie ein Monopoly-Brett aus? Viele der wichtigsten Bereiche werden jeweils von einem beherrschenden Unternehmen oder einem Oligopol kontrolliert. Google “gehört” die Suche; Facebook das soziale Netzwerk; ebay herrscht über Auktionen; Apple ist im Bereich der Online Inhalte vorherrschend; Amazon im Einzelhandel und so weiter.

Wu erklärt, dass die Geschichte der Informations- und Kommunikationstechnologie in den Vereinigten Staaten fast nur von Monopolen oder Quasi-Monopolen geschrieben wurde, wie z.B AT&T, Paramount und NBC. Ursprung dieser Tendenz ist die Theorie der Netzwerke, deren Wert sich mit der Zahl der Nutzer erhöht. In dem Fall profitiert das Unternehmen wie auch die Nutzer von der Monopolstellung. In den 90ern gab es noch ein halbes Dutzend Suchmaschinen (Lycos, AltaVista and Bigfoot…) und ab 2000 unzählige soziale Netzwerke. Warum hat sich also Facebook als Monopol durchsetzen können? Weil wir Nutzer, laut Wu, es kollektiv so wollten. Die größten Seiten waren einfach besser, schneller und leichter zu nutzen als das Angebot der Konkurrenz. Wir möchten nicht die Wahl haben.

Der Autor scheibt weiter, dass

wir uns nicht so sehr über Monopole ärgern würden, wenn sie zeitlich begrenzt wären. Wäre Facebooks Herrschaft über soziale Netzwerke auf, sagen wir, zehn Jahre begrenzt, oder besser noch, würde sie enden sobald die technische Überlegenheit schwindet, so wäre die Idee des Monopols schon fast gesund. Das Problem ist, dass marktbeherrschende Firmen irgendwie sehr Abgeordneten oder afrikanischen Diktatoren ähneln: Sie geben selten auf, selbst wenn sie in die Jahre kommen. Im Angesicht des Niedergangs tun sie alles Mögliche, um an der Macht zu bleiben. Und dann fangen wir an, zu leiden.

(…) Untergehende Informationsmonopole finden oft als letzten Ausweg eine Lebensader im Staat. Die [amerikanische] Regierung gibt Monopolen aus der Informationsindustrie mit ungewöhnlicher Häufigkeit ihren Segen. Manchmal brachte dies gegenseitigen Gewinn, indem der Inhaber eines Informationsnetzwerks dem Staat etwas Wertvolles als Gegenleistung anbot, wie z.B. das Abhören [von Telefonleitungen] ohne Gerichtsbeschluss.

Tim Wu denkt, dass wir uns noch im goldenen Zeitalter der Monopole befinden und diese Tendenz uns leider noch eine Weile erhalten bleibt. Denn Monopole wirken sich seiner Ansicht nach auf Dauer negativ auf jegliche Innovation aus.

Eine Gegenmeinung gibt es bereits von Adam Thierer der Technology Liberation Front, der Wu’s Analysen als hyper-pessimistische Weltsicht bezeichnet.


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