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OECD-Konferenz zur Zukunft des Internets

June 28, 2011

Source-OECD.orgAb heute findet in Paris ein 2-tägiges Meeting zum Thema Internet statt: Die OECD-Konferenz zur Zukunft der Internetwirtschaft. Im Gegensatz zum vergangenen Politiktheater Netzgipfel eG8 wird beim OECD-Treffen jedoch von vorne herein Wert auf einen Beitrag der Zivilgesellschaft gelegt.

Seit einiger Zeit schon beraten Politiker und Organisationen, u.a. auch Europarat und UNO, wie das Internet am besten reguliert werden könnte. Hierbei ist die große Frage, welche Form von Governance der Internet-Architektur am besten entspricht. Eine der Antworten ist das sogenannte Multistakeholder-Modell, das auch vom Gründer des World Wide Webs, Tim Berners-Lee, beworben wird. Dies bedeutet, dass alle Interessengruppen (Stakeholder), also die Zivilgesellschaft, Regierungen, die Privatwirtschaft etc., gleichberechtigt an der Entwicklung einer Politik für das globale Internet beteiligt sind. Dieses Modell wird derzeit auch von der OECD unterstützt.

Wie es auf der Webseite der Konferenz heißt, möchte sich die OECD im Anschluss an die Seouler Ministerkonferenz 2008 mit allgemeinen Richtlinien für das Internet beschäftigen. Das Hauptaugenmerk richtet sich vor allem darauf, wie Wachstum und Innovation in der Internet-Ökonomie garantiert werden kann. Konkret werden z.B. Fragen rund um den Breitband-Internetzugang und die Offenheit des Internets diskutiert.

Am interessantesten für uns wird wohl das Panel 4: Hier wird über die Prinzipien für eine Politik im Bereich des offenen Internets gesprochen. Leider sitzen dort unter anderem Vertreter von AT&T und Vivendi sowie der britische Kulturminister Ed Vaizey, der gerade zusammen mit der Unterhaltungsindustrie an Internet-Sperren arbeitet.

Eine gute Vorlage für die Deklaration, die die Konferenz abschließend abgibt, könnte diese 10 Rechte und Prinzipien für das Internet bieten. Ich hätte auch nichts dagegen, dass sie sich am UN-Bericht zur Meinungsfreiheit im Internet orientiert und hierbei allerdings etwas Konkreteres herauskommt, als die Erklärung des eG8-Forums (pdf).

Update :

Das OECD-Meeting scheint wohl eher auf das Gegenteil hinauszulaufen: Der beratende Ausschuss der Zivilgesellschaft für die Fragen der Informationsgesellschaft beim OECD (Civil Society Information Society Advisory Council CSICAC) kündigte heute an, die OECD-Deklaration nicht unterzeichnen zu wollen. In einem Artikel berichtet CSICAC-Mitglied EFF, dass die Mitteilung der OECD abgelehnt wird, da sie den Schutz und die Durchsetzung von Immaterialgüterrechten auf Kosten der Grundrechte überbetont. Die Regierungen werden dazu ermuntert, Internet-Provider ebenfalls für die von ihnen transportierten Inhalte verantwortlich zu machen, was zu einer Zensurinfrastruktur führen kann. Hier ein kleiner Auszug aus der Presseerklärung der CSISAC (pdf):

  • CSISAC members were concerned about the text’s over-emphasis on protection and enforcement of intellectual property rights, even at the expense of fundamental freedoms, and without adequate discussion of the other factors that have allowed the Internet to flourish and innovation to take place to date.
  • CSISAC members were particularly troubled by text in the Communiqué relating to the roles and responsibilities of Internet intermediaries. This was found in both the “Promote Creativity and Innovation” paragraph and in the “Limit Internet Intermediary Liability” paragraph. CSISAC felt that Internet intermediaries must not be called upon to make determinations about the legality of content passing through their networks and platforms because they are neither competent nor appropriate parties to do so. Requiring them to make determinations on the legality of content or behaviour of users raises issues for transparency, due process and accountability and detrimentally impacts on citizens’ freedom of expression. The role of intermediaries as ‘mere conduits’, and accompanying liability limitations found in many OECD countries, is integral to the protection of civil liberties online. As all online activity requires intermediation, conduits have potential to exert extreme control and surveillance on online conduct. For this reason, no text should undermine, or condition, existing limitations of liability for such entities upon the satisfaction of positive obligations to take particular actions, such as “lawful steps”. Nor should intermediaries be required to “assist rights holders in …reduc[ing] illegal content.”

Update 2: Auch European Digital Rights ist CSISAC-Mitglied, hier ist die Pressemitteilung von EDRi.

Seouldeklaration (deutsche Übersetzung, pdf).

Presseerklärung der CSISAC (pdf).

Tagesordnung der Konferenz.

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2 Comments leave one →
  1. itari permalink
    June 28, 2011 9:42 am

    letzter Link defekt

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