2011: Das Jahr der Copyright Fails
Der Unterhaltungsindustrie geht es nun wirklich, wirklich nicht schlecht. Trotz allem wird weiterhin massig Geld für die Einführung von kurzsichtigen, restriktiven Gesetzen ausgegeben, die letztendlich hauptsächlich der Rechteindustrie selbst schaden. Hier ein kurzer Jahresrückblick über die zahlreichen, amüsanten Aktionen gegen Online-Piraterie, die sich als absolut kontraproduktiv herausgestellt haben:
- Im Dezember wurde in Irland das Three-Strikes-Gesetz fürs erste vom Datenschutzbeauftragten gekippt, nachdem Unschuldige fälschlicherweise 300 Warnungen wegen angeblichen Urheberrechtsverletzungen erhielten.
- Im Dezember soll aus dem Elysée-Palast illegal heruntergeladen worden sein.
- Und auch die RIAA, der Verband der amerikanischen Musikindustrie, jammerte, dass böse Piraten mit ihren IP-Adressen herunterladen.
- November: In den USA wird SOPA diskutiert, bei reddit erstellt man vorsorglich eine Notfall-Liste mit IP-Adressen und es gibt zwei neue Browser-Erweiterungen, mit denen man Zensur umgehen kann: TPB Dancing und DeSopa.
- Im Oktober wurden auf Drängen der Anti-Piracy-Organisation einige Domains von The Pirate Bay in Belgien gesperrt, nur einige Stunden nach dem Urteil entstand depiraatbaai.be, The Pirate Bay bekam umsonst Werbung, und ein paar Belgier mehr wissen jetzt, wie man Zensur umgeht.
- Im Oktober forderte CDU-Politiker Siegfried Kauder Internetsperren für Personen, die sich mehrmals einer Urheberrechtsverletzung verdächtig machen und verstieß selbst auf seiner Webseite gegen das Urheberrecht – der Kauderstrike ging nach hinten los.
- A propos Zugangssperren und Three-Strikes: In Frankreich war das Gesetz Hadopi ja angeblich ein großer Erfolg gegen Urheberrechtsverletzungen. Allerdings scheinen nun VPN, Streaming, Newsgroups und Seiten wie Megaupload auf einmal sehr viel beliebter zu sein. Die Hadopi-Behörde schluckte 2011 insgesamt 13,8 Millionen Euro, das neu geschaffene legale Angebot war ein totaler Flopp und darüber hinaus bekamen auch dort Unschuldige Abmahnungen von der Behörde.
- Die GEMA hatte sich in diesem Jahr einige Späße ausgedacht, nervte im August sogar die Musikindustrie – und wurde zwei Mal von Anonymous lahm gelegt.
- Im Mai sperrte die italienische Regierung Bittorrent-Seiten und erklärte dann auch die Proxy-Seite proxyitalia.com für illegal. Resultat: Im Handumdrehen wurde ein neuer Proxydienst über Google ins Leben gerufen.
Hätte man die nötige Energie, ließe sich die Liste problemlos verlängern. Aber wie Cory Doctorow neulich sagte, ist der Urheberrechtskrieg erst der Anfang. Wenn man an die Fortschritte im Bereich der 3D-Drucker oder der Sequenzierung denkt, ist es klar, dass sehr bald sehr wahrscheinlich Interessengruppen aus anderen Gebieten wach werden. Die Organisationen (EDRi, die Digitale Gesellschaft, Bits of Freedom, der CCC, ORG und viele mehr), die unsere Freiheiten und Grundrechte im Netz verteidigen, brauchen daher auch 2012 unsere Unterstützung:


